Coverdesign: frey-d-sign
unter Verwendung eines Motivs von Bruce Rolff/123rf

Es handelt sich um eine dieser Detektivgeschichten, die fast ein wenig unscheinbar beginnen und im Verlauf der Handlung in kosmische Dimensionen hineinwuchern. Was sagt der Klappentext?


„Einfach mal angenommen, du bist der einzige Normalo in einem Team aus paranormal begabten Ermittlern und wirst von deinem bescheuerten Boss auf einen unlösbaren Fall angesetzt. Angenommen, du triffst auf einen charismatischen Popstar, einen philosophierenden Ex-Bullen mit hohem Gewaltpotenzial, eine Schar versponnener himmlischer Botschafterinnen sowie einen schrulligen Buchhändler, der mehr als ein Leben zu haben scheint – und stellst nicht nur fest, dass du mühelos zwischen alternativen Realitäten wandeln kannst, sondern deckst nebenbei auch noch eine Verschwörung von kosmischen Ausmaßen auf…
…dann heißt du wahrscheinlich Leo Klostermann und dies ist deine Geschichte!“


Es beginnt heiter. Leo wird von seinem Boss runtergemacht und pariert dies mit augenzwinkernder Süffisanz. Schließlich hat er den Job beim Dezernat für Grenzfälle nur angenommen, um seinem einflussreichen Schwiegervater zu zeigen, dass er ein würdiger Ehemann für dessen Tochter Emily ist. Der Fall, auf den er nun angesetzt wird, erweist sich als rätselhaft und faszinierend, was Leos Ehrgeiz beflügelt. Zudem scheint der geheimnisvolle Popstar Moon Destiny darin verwickelt – das Idol von Emily, die sich selbst als Musikerin versucht. Tatsächlich scheint Moon die Schlüsselfigur in einer Mordserie zu sein, der ihre engsten Vertrauen zum Opfer fallen. Leo bittet den egozentrischen Moses LaRue, ein ehemaliges Mitglied des Dezernats, um dessen Rat. Doch LaRue, der, umgeben von einem Harem seltsam gefügiger "Musen" im Penthouse eines stattlichen alten Gebäudes residiert, stellt sich als Marionette einer bösartigen Macht heraus, die vor nichts zurückschreckt. Von einer brenzligen Situation in die nächste stolpernd, entdeckt Leo die Fähigkeit, sich zwischen alternativen Realitäten zu bewegen – was ihn mehr als einmal in große Schwierigkeiten bringt. Als Emily und Moon spurlos veschwinden, folgt Leo ihnen in eine fiktive Vergangenheit und gerät der dunklen Macht, die massiv in die Geschicke der Menschheit eingreift, gefährlich nahe. Mit der Unterstützung eines übernatürlichen Buchhändlers und einer Clique himmlischer Botschafterinnen wagt Leo es schließlich, seinen scheinbar unangreifbaren Gegner herauszufordern.


Ich habe erst gar nicht versucht, der Geschichte eine sprachliche Schwere aufzubürden, auch wenn es der Plot stellenweise nahelegen würde. Doch am Anfang hatte ich nur diesen unbeschwerten Typ, der die Welt um sich herum nicht sehr ernst nimmt. Leo führt eine klassische Ehe, man wohnt in einem netten Haus in guter Gegend, Freunde kommen zu Besuch und man macht Small Talk... diese Welt ist kein bisschen von unserer so genannten "Realität" entfernt. Wäre da nicht dieser seltsame Haufen paranormaler Ermittler, deren hauptsächliche Aufgabe darin besteht, akausale Zusammenhänge bei Verbrechen, aber auch weniger gravierenden Vorkommnissen aufzuspüren.


Die Geschichte kommt ohne Sex und Liebesschmonz aus, beinhaltet einige unvorhersehbare, "tarantinoeske" Gewaltszenen und eine Auflösung, die mich selbst ein wenig überrascht. Das Gebäude auf dem Cover habe ich aus einem Hotelzimmer in New York fotografiert und es hat immer schon meine Fantasie angeregt. Jetzt konnte ich es endlich in eine Story einbauen – als das fiktive "Fisherman Building", Wohnort des unheimlichen Moses LaRue.


Übrigens habe ich erst lange nach Veröffentlichung des Romans von der Serie "Fringe – Grenzfälle des FBI" erfahren. Und tatsächlich gibt es hier die eine oder andere, wenn auch unbedeutende, Parallele.