Coverdesign: frey-d-sign unter Verwendung von Motiven von Galina Peshkova, Lukas Gojda, Chokniti Khongchum, Peter Jurik, grandedu (alle 123rf.com)

Ich wurde für diesen Roman kritisiert, weil ich angeblich zu viel reingepackt hätte. Ach, Leute – es gibt auch Sätze, die aus mehr bestehen als Subjekt, Prädikat und Objekt.

Was verrät der Klappentext?

„Undercover-Ermittler Tom Schaefer hat einen guten Lauf: Er buchtet reihenweise Drogendealer ein, hat eine nette Freundin und einen lukrativen Nebenerwerb, indem er pychosensuelle Aufzeichnungen seiner Kriegserlebnisse an traumatisierte Ex-Soldaten verkauft. Als eine heimtückische neue Droge Chaos und Tod in den Straßen von Alpha City verbreitet, führt ihn sein Spürsinn auf die Fährte einer Verschwörung, deren Drahtzieher von kosmischen Mächten gelenkt zu werden scheinen. Für Schaefer beginnt ein  Höllentrip durch Abgründe aus Wahnsinn und Gewalt – und er muss sich seiner eigenen Vergangenheit stellen. Denn mit seinen mysteriösen Gegnern hat er mehr gemeinsam, als er es sich in seinen verwegensten Träumen vorzustellen vermag.
Ein futuristischer Thriller im Gewand eines düsteren Cop-Dramas – kompromisslos in der Handlung, in vielerlei Hinsicht visionär, mit einem satirischen Unterton und praller Action.“

Eine fiktive westliche Großstadt des 21. Jahrhunderts: Man konsumiert psychedelische Designerdrogen und neurostimulative Hardcore-Pornos, lässt sich nach Wunsch das Ego umformen und tanzt zu den Hits des NuTekk-Superstars Kid Charlemagne – umgeben von verwahrlosten Slums und einem ausgedehnten Ruinenfeld, Resultat eines militärischen Betriebsunfalls. Auf den ersten Blick ein klassisches Post-Punk-Setting, doch hier werden keine Daten in eigens dafür präparierten Gehirnen geschmuggelt und das Internet spielt nur eine marginale Rolle. Die einzige futuristische Requisite, der eine tragende Funktion zukommt, ist die „SensVid“-Technologie; ein Verfahren zur Aufzeichnung von Erinnerungen und Emotionen, wie man es aus Filmen wie Projekt Brainstorm und Strange Days kennt.

So wähnt man sich zu Beginn des Romans noch auf dem Terrain eines weitgehend vorhersehbaren Science-Fiction-Plots, als Protagonist Tom Schaefer, ein nur oberflächlich angepasster Außenseiter im Dienste einer kommerziell ausgerichteten Polizeifirma, mittels SinsVid seine Kriegserlebnisse aufzeichnet, um daraus Profit zu schlagen. Doch seine Trips in die Vergangenheit legen verdrängte Erlebnisse und Empfindungen frei, die sich auf gespenstische Weise in der Gegenwart manifestieren: Die hoch technisierte Metropole, in der Schaefer seinen Routinejob versieht, verschmilzt mit dem tropischen Dschungel seiner Soldatenzeit, Tote nehmen Kontakt zu ihm auf und staatstragende Institutionen erweisen sich als hilflose Spielbälle unberechenbarer kosmischer Gewalten. Nach und nach begreift er, dass die Ursachen des Albtraums, der sich unaufhörlich um ihn herum verdichtet, in ihm selbst angelegt sind. Und dass er seine wahre Natur akzeptieren muss, wenn er die Katastrophe überleben oder zumindest seine Seele retten will.

Angetrieben sowohl von seiner Sehnsucht nach Erlösung als auch vom ursprünglichsten aller Triebe, seiner Libibo, folgt Schaefer der Spur jenes geheimnisvollen Mädchens, das ihm „für einen Bruchteil von Ewigkeit“ in die Augen gesehen hat – nicht ahnend, dass dieses Mädchen, das „Kind zweier Welten“, die Balance unvereinbarer Kräfte verkörpert. Am Ende ist es die Liebe, die den Tod überwindet; und vielleicht ist dies der realistischste Aspekt an diesem phantastischen Roman.