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Kuck mal, wer da schreibt

Das ist schnell geklärt: Einer, der es nicht lassen kann, Geschichten zu erfinden. Wobei es eher so ist, dass die Geschichten mich finden. Sonst hätte ich wahrscheinlich erst gar nicht mit dem Schreiben angefangen. Denn es gibt bequemere, sozialere und auch gesündere Möglichkeiten, seine Zeit zu verbringen.

Für besonders Neugierige: Einige private Eckdaten finden sich am Ende des Textes.

Mein Weg zum Self-Publisher

Wie Sie bestimmt schon festgestellt haben, gehöre ich zur ständig wachsenden Gemeinde der Selbstveröffentlicher. Ich bin also einer von vielen, die sich „den Traum vom eigenen Buch“ erfüllt haben, amazon & Co. sei’s gedankt. Dabei geht es mir nicht darum, meinen Namen endlich mal gedruckt zu sehen – es ist mir jedes Mal ein bisschen unangenehm, ihn auf ein Buchcover zu setzen. Was daran liegen mag, dass ich mich nicht hinter der Maske eines professionellen Schreibers verstecken kann, der zielgerichtet die Anforderungen des Buchmarktes erfüllt. Ich gewähre dem Leser bis zu einem gewissen Grad Einblick in meinen Kopf, was sich immer noch irgendwie peinlich anfühlt.

Ich habe mich für den Weg des Self-Publishing entschieden, nachdem zwei Agenten, die an mich bzw. meine Bücher geglaubt haben, von den Verlagen reihenweise Absagen bekommen hatten. Doch es macht einen Roman nicht schlechter, wenn er in keine der gängigen Schubladen passt.

Die Sache mit den Schubladen

Mit Schubladen tue ich mir schwer. Schreibe ich eine SF-Story, wird meist auch ein Krimi daraus. Schreibe ich einen Krimi bzw. Thriller, komme ich schwer ohne „übernatürliche“ Aspekte aus. Versuche ich mich an einem Fantasy-Plot, gleite ich schnell mal in die Detektivgeschichte ab. Hybridformen sind mir seit jeher aus der Musik vertraut, wo z.B. Jazz, Rock, Klassik, Folk oder Metal teils recht fruchtbare Ehen miteinander eingehen. Der Buchmarkt jedoch mit seinen strikten Formaten scheint zumindest hier bei uns noch nicht darauf eingestellt, stilistische Mischformen an den Mann/die Frau zu bringen.

Eine Weile fühlte sich der frustrierte Kreative in mir als unverstandener Außenseiter. Doch das Schniefen fand ein jähes Ende, als ich nach Jahrzehnte langer TV-Abstinenz anfing, mich aus purer Neugier bei Netflix und Konsorten umzusehen. Was mir dort an aberwitzigen Plots und erzählerischen Mischkulturen begegnete, gab mir neuen Auftrieb. Meine Leser existieren irgendwo da draußen, so meine Schlussfolgerung. Jetzt müssen sie mich nur noch finden.

Entwicklung und Einflüsse

Bis ungefähr zu meinem zehnten Lebensjahr zeichnete ich Comics. Danach schrieb ich ulkige Krimis und SF-Stories, in denen meine Freunde und Klassenkameraden vorkamen. In der Folgezeit wurde dann zuerst die Musik wichtiger, die Mädchen sorgten für zusätzliche Ablenkung, und schließlich wurde ich vom Berufsleben absorbiert. Das „Schreiben“, sofern man es in diesem Stadium als solches bezeichnen konnte, rückte in den Hintergrund.

Nicht jedoch das Lesen. Ich muss etwa dreizehn gewesen sein, als mich ein Klassenkumpel mit „Perry Rhodan“ infiziert hat – als Fan der Serie „Raumpatrouille“ war ich sozusagen ein gefundenes Fressen. Der Grundstein war gelegt für eine Entdeckungsreise, die mich zu Philip K. Dick, Brian Aldiss, Kate Wilhelm, Robert Silverberg, Ray Bradbury und vielen anderen führte. Parallel dazu entwickelte ich eine Vorliebe für den Noir-Krimi. Chandler wurde so etwas wie ein Halbgott für mich, Marlowe die literarische Verkörperung der Coolness schlechthin. Später gesellte sich noch die „ernste“ Literatur dazu, teils aufgrund von Empfehlungen meines ersten Agenten, der mir das Universum von Thomas Pynchon nahe brachte. Ebenfalls großen Eindruck hinterließen u.a. Don deLillo, Harry Mulisch, Haruki Murakami und Brett Easton Ellis, doch auch Klassiker wie E.T.A. Hoffmann, Eichendorff und Meyrink fanden den Weg in meine private Hall Of Fame. Ebenso die antiken griechischen Mythen.

Zwischendurch war ich der SF abtrünnig geworden. Das Genre wurde durch Star Wars familientauglich und ich verlor das Interesse. Einzig Ridley Scotts Hammerfilme „Alien“ und „Blade Runner“ hielten mich bei der Stange. Bis ich Mitte der Achtziger William Gibsons „Neuromancer“ in die Finger bekam. Was für eine Vison, und dann erst diese lakonische, abgebrühte Sprache. So würde ich auch gern schreiben, kam es mir in den Sinn. Und ich begann schüchtern mit der Arbeit an meinen Erstling, der siebzehn Jahre später unter dem Titel „Megaheaven“ fertig gestellt werden sollte.

„Megaheaven“ war meine Nemesis. Ich kämpfte mit dem Text, verwarf unzählige Ideen und Figuren, feilte an der Sprache und fand das Ergebnis schrecklich – und überhaupt: Wer sollte so einen Blödsinn überhaupt lesen wollen? Hinzu kam, dass meine Vision einer nahen urbanen Zukunft ständig von aktuellen technischen Neuerungen eingeholt zu werden drohte. Ende der Neunziger landete der Text in der Ablage für Unerledigtes und ich folgte der Idee einer dunklen, romantischen Space Opera. Ein Star Wars für Erwachsene schwebte mir vor, eine abgründige Heldensaga, eine blutgetränkte Reise aus der Dunkelheit ins Licht. Drei Jahre später war ich mit „Eisenschön“ so weit zufrieden, dass ich das Manuskript einem Agenten schickte…

So eine Art Fazit

Hin und wieder werde ich gefragt, warum ich trotz ausgebliebenen Mega-Erfolgs immer noch die Nächte vor dem Computer verbringe und manchmal um jeden Absatz, um jede Zeile kämpfe. Dafür gibt es Gründe. Erstens: Ich habe Leser. Noch nicht viele, aber was nicht ist, kann ja bekanntlich noch werden. Zweitens: Ich schreibe Geschichten, die ich selbst gerne lesen würde. Drittens: Wenn die Stories nicht aus meinem Kopf rausgelassen werden, fangen sie an zu riechen und zermatschen mir die Birne. Alles klar soweit?

Schließen möchte ich meine kleine Fingerübung in Sachen Selbstdarstellung mit einem Zitat von Martin Scorcese, das sich zwar aufs Filmen bezieht, meiner Ansicht nach jedoch auf jegliche kreative Tätigkeit anwendbar ist:

“Good films by real filmmakers aren't made to be decoded, consumed or instantly comprehended. They're not even made to be instantly liked. They're just made, because the person behind the camera had to make them.”

Hier ein paar private Details

1957 in München geboren. Gymnasium, Zivildienst, Ausbildung zum Grafik-Designer. Seit 1997 beruflich selbstständig, von 2012 bis 2018 geschäftsführender Co-Gesellschafter eines Medienbüros. In zweiter Ehe verheiratet, ein Sohn, eine Stieftochter. Lebt in München-Schwabing und auf dem Lande in der Nähe von Landsberg/Lech. Liebt Gartenarbeit und spielt in einer viel zu lauten Rockband.